Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.

Am 15. Dezember 2021 wurden in Bergkamen die ersten Stolpersteine aus dem Erinnerungsprojekt des Künstlers Gunter Demnig verlegt. Die mit einer kleinen Messingtafel versehenen Gedenksteine sind Menschen gewidmet, die in der Zeit von 1933 bis 1945 in den damaligen Altgemeinden Bergkamens Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurden. In der Regel erfolgt die Verlegung vor dem letzten freiwilligen Wohnsitz. Das Stolperstein-Projekt von Gunter Demnig ist das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Rund 1.800 Städte aus Deutschland und 20 weiteren europäischen Ländern haben sich daran beteiligt.

In der Nordbergstadt wollten engagierte Bürger*innen das Erinnerungsprojekt auf lokaler Ebene etablieren. Dazu wurde eigens ein "Arbeitskreis Bergkamener Stolpersteine" gegründet, der in Kooperation mit dem Stadtmuseum Bergkamen das Projekt führt. Der Rat der Stadt hat einstimmig den Beschluss gefasst, dass die Stolpersteine auf öffentlichem Grund verlegt werden dürfen. Außerdem wurden die Gedenksteine in die Denkmalliste der Stadt Bergkamen aufgenommen, um ihren Schutz für die Zukunft sicherzustellen.

Bei einer zweiten Stolpersteinverlegung am 25. Januar 2023 wurden sieben weitere Gedenksteine verlegt. Schwerpunkt war die Erinnerung an die Opfer der NS-Euthanasie, darunter drei Bergkamener Kinder.

An den bisherigen Gedenkveranstaltungen haben sich die Freiherr-vom-Stein-Realschule, die Realschule Oberaden, die Willy-Brandt-Gesamtschule und das Städt. Gymnasium beteiligt.

Mehr Informationen stellen wir mit den unten aufgeführten Dokumentationen allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern und besonders gern den weiterführenden Schulen in Bergkamen als PDF zum Download zur Verfügung.

Alle Bergkamener Stolpersteine finden sich auch in der WDR-App "Stolpersteine NRW"




Ernst Bronheim

Ernst Bronheim war ein örtlicher Funktionär der KPD in Rünthe. Er arbeitete als Hauer auf der Zeche und lebte mit seiner Familie in der Glückaufstraße 6 in der "Alten Kolonie". Die Nazis verhafteten ihn gleich nach dem Reichstagsbrand und inhaftierten ihn im Schutzhaftlager Schönhausen. Mit 59 weiteren Häftlingen wurde Bronheim am 15. April 1933 von dort ins KZ Brauweiler transportiert, wo er noch am gleichen Tag unter zweifelhaften Umständen den Tod fand.

Verlegeort: Glückaufstraße 6, Rünthe

Bronheim.pdf (801.5KB)
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 Max Herrmann

Der Jude Max Herrmann lebte ab 1926 in der Altgemeinde Overberge. Der Frisör war mit der aus dem Ort stammenden Alma Wendel verheiratet und führte eine durch die Rassenideologie der Nazis stigmatisierte "Mischehe". 1938 wurde er für mehrere Wochen ins KZ Sachsenhausen verschleppt und anschließend zur Zwangsarbeit in Köln verpflichtet. Ab 1944 lebte er in einem Kellerversteck in Werne-Stockum und überlebte so den Holocaust. 1951 wanderte er mit seiner Familie in die USA aus.

Verlegeort: Werner Straße 178, Overberge

Herrmann.pdf (396.68KB)
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Familie Hertz

Vor dem Ersten Weltkrieg kamen die jüdischen Eheleute Hermann und Amalie Hertz in die Gemeinde Bergkamen. In den Jahren 1911 bzw. 1922 wurden hier ihre Töchter Grete und Lieselotte geboren. Die Familie betrieb am Nordberg ein Textilgeschäft, das sie 1938 an den aus Werne stammenden Kaufmann Kroes verkaufen musste. Familie Hertz verzog unfreiwllig nach Essen und flüchtete von dort in die USA, um dem Holocaust zu entkommen.

Verlegeort: Präsidentenstraße 53, Mitte

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Wilhelm Mork

Wilhelm Mork war von Beruf Maurerpolier und lebte in der damaligen Gemeinde Weddinghofen. Vermutlich erkrankte er psychisch und wurde so zum Opfer der NS-Euthanasie. Im Rahmen der berüchtigten "Aktion T4" wurde er in Hadamar ermordet.

Verlegeort: Pfalzstr.77, Weddinghofen

Mork.pdf (388.78KB)
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August Kühler

August Kühler war Mitglied der KPD und lebte in der Kolonie Rünthe-Süd. Am 10. März 1933 wurde er von der Gestapo verhaftet und blieb fast eineinhalb Jahre in KZ-Haft, die er mit Glück überlebte. Nach dem Krieg engagierte er sich in der SPD und wurde letzter Bürgermeister der Altgemeinde Rünthe. Er ist einer der Gründerväter der heutigen Stadt Bergkamen.

Verlegeort: Beverstr. 89, Rünthe

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Heinr. Dionysius

Heinrich Dionysius war ein Kommunist, der die Nazis bekämpfte. Der Bergmann lebte in der Altgemeinde Bergkamen, damals eine große Hochburg der linken Arbeiterbewegung. Nach der Machtergreifung wurde er für zwei Jahre ins KZ gesperrt. Er überlebte seine Verfolgung und wohnte später in der Altgemeinde Heil.

Verlegeort: Stresemannstr.6, Mitte

Dionysius.pdf (619.01KB)
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Eheleute Rumpf

Adolf und Elisabeth Rumpf lebten in Oberaden und waren Anhänger der KPD. Adolf Rumpf wurde von den Nazis in Schutzhaft genommen und im KZ Schönhausen festgesetzt. Anschließend war er im Gefängnis Freiendiez inhaftiert. Elisabeth Rumpf fiel der NS-Euthanasie zum Opfer und wurde im Alter von 27 Jahren wegen einer Erbkrankheit zwangssterilisiert.

Verlegeort: Jahnstr.5, Oberaden

Rumpf.pdf (375.27KB)
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Willi Domick

Der 12-jährige Willi Domick war ein körperlich und geistig behinderter Waisenjunge. Seine Mutter starb an Lungentuberkulose, der Vater fiel im Zweiten Weltkrieg. Willi wurde ein Opfer der Kinder-Euthanasie. Er wurde in der Heilanstalt Marsberg umgebracht.

Verlegeort: Taubenstr.4, Rünthe



Christa Vertcheval

Die kleine Christa Vertcheval wurde nur sechs Monate alt. Das Mädchen wurde mit einer Mikrozephalie geboren, ihr Kopf war abnorm klein, das Gehirn nicht richtig entwickelt. Schon die Familie ihrer Mutter galt unter den Nazis als erblich belastet. Christa wurde zum Opfer der Kinder-Euthanasie. Sie wurde in der Heilanstalt Aplerbeck getötet.

Verlegeort: Schlägelstr.36, Rün

Hilda Malcherek

Die 13-jährige Hilda Malcherek litt infolge eines Hirnschadens an spastischer Lähmung und Epilepsie. Als Opfer der Kinder-Euthanasie wurde sie in der Heilanstalt Aplerbeck ermordet. Die Nazis täuschten eine natürliche Todesursache vor, doch die Eltern ahnten, dass ihre Tochter umgebracht wurde.

Verlegeort: Stresemannstr.2, Mitte


 


Antifaschistischer Stadtführer

Am Städt. Gymnasium Bergkamen haben Schüler*innen einer Projektgruppe  einen antifaschistischen Stadtführer entwickelt, der online einen guten Überblick über die Orte der Verfolgung, ihrer Opfer und des Gedenkens verschafft.

Durch einen Klick auf den Button erreicht man die Seite:

Stadtführer

Schutzhaftlager Schönhausen

Der Journalist Heino Baues hat für sein lokales Nachrichtenblog einen Artikel über das Schutzhaftlager Schönhausen geschrieben. Im Wohlfartsgebäude der Kolonie der Zeche Grimberg hatten die Nazis nach der Machtergreifung ein provisorisches KZ errichtet.

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Infoblog